Zuletzt aktualisiert: 28. September 2026

Im Mehrtierhaushalt beruht die Vorbeugung von Infektionen auf drei Säulen: Trennung und Screening neuer Tiere, tägliche Hygiene mit einem auf den Erreger abgestimmten Desinfektionsmittel und – wenn ein Tier krank wird – schnelle Isolierung und gezieltes Testen der Mitbewohner. Wichtig zu wissen: Gegen Parvoviren wirken die meisten Haushaltsdesinfektionsmittel nicht.
In diesem Ratgeber gehen wir durch, wie Sie ein neues Tier aufnehmen, welche Gewohnheiten schützen und was zu tun ist, wenn einer Ihrer Lieblinge positiv getestet wurde.
Wie integrieren Sie ein neues Tier zu den anderen?
Das neue Tier sollte anfangs in einem separaten Raum mit eigenen Näpfen und eigenem Schlafplatz leben, bis der Tierarzt es untersucht hat und die Ergebnisse der Screeningtests vorliegen.
- Hund: Screening auf Parvovirus und Giardien aus frischem Kot, besonders bei Hunden aus dem Tierheim, von der Straße oder mit Durchfall. Der CPV/CCV/Giardia 3-in-1-Test prüft eine Probe auf alle drei Erreger.
- Katze: FIV/FeLV-Test noch vor dem ersten Kontakt mit den anderen, bei negativem Ergebnis nach 60 Tagen wiederholt (AAFP). Bei Durchfall auch auf Panleukopenie und Giardien.
- Zusammenführung: erst nach der tierärztlichen Untersuchung und negativen Tests, und zwar schrittweise. Bei Katzen dauert die Eingewöhnung im separaten Zimmer laut International Cat Care einige Tage bis ein, zwei Wochen.
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Welches Desinfektionsmittel wirkt gegen welchen Erreger?
Erreger sind sehr unterschiedlich widerstandsfähig: Parvoviren und Giardien-Zysten können monatelang infektiös bleiben, deshalb brauchen Sie gegen sie ein gezielt wirkendes Mittel.
| Erreger | Wie widerstandsfähig? | Was wirkt dagegen? |
|---|---|---|
| Canines Parvovirus, feline Panleukopenie (Parvoviren) | Sehr widerstandsfähig: kann in Innenräumen mindestens 2 Monate, im Freien monatelang infektiös bleiben (Merck) | Verdünnte Bleichlauge (1:30), Mittel auf Basis von Peroxygen, Kaliumperoxomonosulfat oder beschleunigtem Wasserstoffperoxid (Merck) |
| Giardien-Zysten | In feuchter Umgebung bis zu mehreren Monaten infektiös (ABCD) | Mittel mit quartären Ammoniumverbindungen (ABCD) oder Dampfreinigung (CAPC), danach gründliches Trocknen |
| Coronaviren (Hund CCV, Katze FCoV) | Weniger widerstandsfähig | Übliche Reinigungs- und Desinfektionsmittel; bei Katzen ist häufiges Reinigen der Katzentoilette am wichtigsten |
| FIV, FeLV | Überleben außerhalb des Katzenkörpers nur kurz | Das Hauptrisiko ist direkter Kontakt (Bisse, gegenseitige Fellpflege, gemeinsamer Napf), nicht die Umgebung |
Halten Sie immer die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels ein und lassen Sie die Tiere erst wieder hinein, wenn die Oberfläche abgespült und getrocknet ist.
Welche Alltagsgewohnheiten verhindern Kreuzinfektionen?
- Frischen Kot sofort entfernen – aus dem Garten und der Katzentoilette, damit weniger Erreger in der Umgebung bleiben.
- Genug Katzentoiletten: Laut Empfehlung von International Cat Care sollte jede Katze ihren eigenen Napf, Schlafplatz, ihre eigene Katzentoilette und ihren eigenen Kratzbaum haben, plus jeweils eine Reserve, verteilt in der Wohnung.
- Getrennte Näpfe bei Krankheit: Ein Tier mit Durchfall oder einer Infektion sollte nicht aus gemeinsamen Näpfen fressen und trinken.
- Richtige Reihenfolge und Händewaschen: Versorgen Sie zuerst die gesunden Tiere und das kranke zuletzt, danach gründlich Hände waschen.
- Kinder: Bringen Sie ihnen bei, sich nach Kontakt mit einem Tier, das erbricht oder Durchfall hat, immer die Hände zu waschen.
Was gilt bei mehreren Tieren als verdächtiges Symptom?
Wenn mehr als ein Tier ähnliche Symptome zeigt, denken Sie immer an eine infektiöse Ursache:
- plötzlicher oder wiederkehrender Durchfall, Erbrechen,
- Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, schneller Gewichtsverlust,
- Niesen, Nasenausfluss, Husten, Augenausfluss,
- Maulschleimhautentzündung, stumpfes Fell, allgemeiner Verfall.
Trennen Sie in diesem Fall die Tiere mit Symptomen ab, machen Sie einen gezielten Schnelltest und sprechen Sie unabhängig vom Ergebnis mit Ihrem Tierarzt. Wann ein Test reicht und wann Sie sofort losfahren sollten, haben wir hier beschrieben: Schnelltest für zu Hause: Wann nutzen und wann zum Tierarzt?
Was tun, wenn ein Tier positiv ist?
Was zu tun ist, hängt vom Erreger ab, aber Isolierung, die Kontrolle der Mitbewohner und gezieltes Reinigen gehören fast immer dazu.
| Positives Ergebnis | Das kranke Tier | Die Mitbewohner |
|---|---|---|
| Parvovirose (Hund) | Sofort zum Tierarzt und vollständige Isolierung; kann das Virus nach der Genesung noch etwa 10 Tage ausscheiden (Merck) | Impfstatus prüfen, bei Symptomen sofort testen |
| Panleukopenie (Katze) | Sofort zum Tierarzt und Isolierung | Impfstatus prüfen, bei Symptomen sofort testen |
| Giardien | Tierärztliche Behandlung, Baden, gründliche Reinigung | Der Tierarzt entscheidet, ob symptomfreie Mitbewohner untersucht oder behandelt werden müssen |
| FIV | Bestätigungstest; kann in einer stabilen Gruppe ohne Raufereien bleiben (AAFP) | FIV/FeLV-Test, nach 60 Tagen wiederholt |
| FeLV | Bestätigungstest, dauerhafte Trennung von negativen Katzen | FIV/FeLV-Test, nach 60 Tagen wiederholt; über eine FeLV-Impfung entscheidet der Tierarzt |
| FIP-Verdacht | Tierärztliche Abklärung und Behandlung | FIP wird selten übertragen; die Coronavirus-Ausscheidung lässt sich mit dem FIPV Ag-Test prüfen, Hygiene ist am wichtigsten |
Zur hartnäckigen Rückkehr von Giardien und zum Reinigungsplan: Giardien beim Hund behandeln: Warum kommen sie zurück?
Welches regelmäßige Screening ist realistisch?
- Hunde: jährliche tierärztliche Untersuchung, Überprüfung des Entwurmungsplans, im Frühjahr ein Herzwurm-Screening (Herzwurmtest: wann und warum?). Giardientest bei wiederkehrendem Durchfall und wenn ein neuer Hund einzieht.
- Katzen: FIV/FeLV-Test bei jeder neuen Katze und nach Kontakt mit einer infizierten oder unbekannten Katze. Bei Freigängern, die zu Raufereien neigen, besprechen Sie regelmäßige Wiederholungstests mit Ihrem Tierarzt.
- Gemischter Haushalt: Hunde- und Katzentests unterscheiden sich – wählen Sie immer den für die jeweilige Tierart passenden.
Welche Schnelltests lohnt es sich, zu Hause zu haben?
Bei mehreren Hunden sind der CPV/CCV/Giardia 3-in-1 oder der CPV Ag- und der Giardia Ag-Test am nützlichsten, bei mehreren Katzen der FIV/FeLV- und der FPV Ag-Test. Bei mehreren Tieren ist das 5er-Pack günstiger. Die Tests nach Tierart: für Hunde, für Katzen.
Häufige Fragen zum Mehrtierhaushalt
Wie lange sollte ich das neue Tier getrennt halten?
Mindestens so lange, bis der Tierarzt es untersucht hat und negative Screeningtests vorliegen. Bei Katzen muss ein negativer FIV/FeLV-Test nach 60 Tagen wiederholt werden; ein Tier mit Symptomen braucht eine längere Trennung.
Müssen alle Tiere behandelt werden, wenn eines Giardien hat?
Nicht unbedingt. Laut CAPC sollte jedes Giardien-positive Tier mit Symptomen behandelt werden; über Untersuchung und Behandlung symptomfreier Mitbewohner entscheidet der Tierarzt. Reinigung und Baden sind aber in jedem Fall wichtig.
Welches Desinfektionsmittel wirkt gegen Parvoviren?
Laut Merck Veterinary Manual verdünnte Bleichlauge (1:30) sowie Mittel auf Basis von Peroxygen, Kaliumperoxomonosulfat und beschleunigtem Wasserstoffperoxid. Die meisten Haushaltsdesinfektionsmittel wirken nicht dagegen.
Können FIV-positive und negative Katzen zusammenleben?
Ja, wenn die Katzen nicht raufen: Laut AAFP ist das Infektionsrisiko in stabilen Haushalten ohne Raufereien vernachlässigbar. Eine FeLV-positive Katze muss dagegen von negativen Katzen getrennt gehalten werden.
Wie viele Katzentoiletten brauchen mehrere Katzen?
Laut Empfehlung von International Cat Care eine pro Katze plus eine zusätzliche, an verschiedenen Stellen der Wohnung aufgestellt.
Fazit
Bei mehreren Tieren verhindern die Trennung und das Screening von Neuankömmlingen, eine auf den Erreger abgestimmte Desinfektion, eine Versorgungsreihenfolge von gesund zu krank sowie schnelles, gezieltes Testen, dass sich eine Infektion durch die ganze Gruppe zieht.
Quellen
- Merck Veterinary Manual: Canine Parvovirus Infection. merckvetmanual.com
- ABCD – European Advisory Board on Cat Diseases: Guideline for Giardiasis. abcdcatsvets.org
- Companion Animal Parasite Council (CAPC): Giardia. capcvet.org
- Little S, et al.: 2020 AAFP Feline Retrovirus Testing and Management Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery, 2020. journals.sagepub.com
- International Cat Care: Introducing cats. icatcare.org
Wichtig: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Stimmen Sie Behandlung, Desinfektionsmethode und Kontrolluntersuchung immer mit einem Tierarzt ab. Die MancsLab-Schnelltests dienen der Vorabuntersuchung zu Hause.

